Archiv für den Monat: November 2013

Frankfurter Weihnachtsmarkt öffnet wieder seine Tore

Weihnachtsmarkt Frankfurt

Siegfried Baier – www.pixelio.de

Als große Liebhaberin vorweihnachtlichen Markttreibens möchte ich Ihnen heute gerne meinen absoluten Favoriten unter den Weihnachtsmärkten vorstellen, der für mich in jedem Jahr zum „Must Have“ der Christkindlmarkt-Besuche zählt. Es handelt sich um den traditionsreichen, historischen Frankfurter Weihnachtsmarkt am Römerberg, der dort im Übrigen bereits seit 1393 abgehalten wird. Schon der Landgraf Wilhelm von Hessen nahm den Frankfurter Weihnachtsmarkt im Jahre 1498 zum Anlass, um mit seinem Gefolge auf 1.000 Pferden reitend die Tochter des Pfälzer Kurfürsten in einer rauschenden Adelshochzeit zu ehelichen. Weitere geschichtliche Highlights, wie die zwei Meter hohen Nikolausriesen aus Lebkuchenmasse oder das beliebte, aus Marzipanteig bestehende Frankfurter Gebäck „Bethmännchen“ haben hier eine lange Tradition.

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Fremde Hände in der Tasche

„Man erkennt sie an den Blicken“, erklärt der Beamte. „Gewöhnliche Menschen gehen zielgerichtet über die Zeil und lassen ihre Blicke lose umherschweifen. Bei den Dieben ist das anders. Ihre Blicke kleben an den Taschen und Rucksäcken ihrer potentiellen Opfer. Wenn man genauer hinsieht, kann man sogar beobachten, wie sie sich mit den Blicken mit ihren Komplizen verständigen. Dann wissen wir genau: das sind Kandidaten, die wir im Auge behalten müssen“.

Der Beamte, der mir diese Dinge erklärt, gehört zu einer besonderen Einheit, die in Frankfurt den Trick- und Taschendiebstahl bekämpft. Die Mitglieder dieser Einheit stellen seit ungefähr zwei Jahren einen deutlich spürbaren Anstieg der „Tasche-Trick-Delikte“ in Frankfurt fest. Die Kriminalstatistik für Frankfurt gibt diesem Gefühl recht. Nachdem Taschendiebstahlsdelikte seit den 1980er Jahren stetig zurückgegangen sind, steigt ihre Anzahl seit zwei Jahren wieder merklich an. Die Nationalität und Täterstruktur legt nahe, dass dieser Umstand mit dem Wegfall der Visumpflicht für Bulgaren und Rumänen zusammenhängt. Nach Erkenntnissen der Polizeieinheit, stammen die Täter überwiegend aus dem südosteuropäischen Raum und reisen in Gruppierungen durch den gesamten europäischen Raum, um Straftaten zu begehen.

In der öffentlichen Wahrnehmung rangiert Taschendiebstahl als Ärgernis wie es das Großstadtleben unvermeidlich mit sich bringt. „Das ist größtenteils Armutskriminalität, die selten mit Gewalt einhergeht, jedoch ist sie von großer Sozialschädlichkeit“, gibt der Beamte zu bedenken. Besonders für ältere Personen, die aufgrund  ihrer altermäßigen Einschränkung höhere Bargeldbeträge auf Vorrat bei der Bank abheben, werden von den Taten sehr hart getroffen. „Zu dem finanziellen Schaden kommt häufig auch noch der Verlust von Behindertenausweisen und anderen wichtigen Dokumenten hinzu“.

Neben älteren Menschen werden häufig auch junge Mädchen Opfer der Diebe, die gedankenlos im Gedränge auf ihrem Smartphone herumtippen und es achtlos in die Gesäßtasche oder in die äußere Jackentasche stecken. In letzter Zeit werden auch Leichtsinnige zu Zielscheiben, die das Smartphone im Café auf dem Tisch liegen lassen. Asiatische Touristen sind ebenfalls stark im Fokus der Diebe, weil sie europäische Gesichter kaum auseinanderhalten können. Männer sind im Verhältnis seltener Opfer, es sei denn sie sind betrunken oder schon betagt, weil die Täter Gegenwehr oder Vergeltung fürchten.

„Was unsere Arbeit erschwert ist, dass wir extreme Schwierigkeiten haben, die Strukturen der Gruppierungen aufzuklären. Im Gegensatz zu anderen Deliktskategorien, wie zum Beispiel Drogenhandel, gibt es bei den Taschendieben weder einen Anreiz noch eine Bereitschaft, Aussagen über Strukturen und Hintergründe zu machen“, erklärt der Beamte. „In Frankfurt haben wir es aber glücklicherweise nur sehr selten mit „Klaukindern“ zu tun, da ist aus Gründen, die wir nicht kennen, Köln die Hochburg. Mittlerweile kennen wir die gängingsten Tricks und können sie Tätern zuordnen, die sie anwenden, um zu stehlen“, berichtet er weiter.

Die Täter arbeiten fast immer in Teams. Der „Zettel-Trick“, mit dem das Opfer in der Kneipe oder im Café abgelenkt und dabei das Handy vom Tisch geklaut wird, ist vergleichsweise plump. Raffinierter ist schon der „Rolltreppen-Trick“: Ein Täter verursacht einen Stau auf einer Rolltreppe, indem er ein Stolpern vortäuscht. Das hinter ihm stehende Opfer prallt auf ihn, während ein Mittäter gleichzeitig auf das Opfer „fällt“ und dabei die Brieftasche oder das Handy aus der Jacke oder Hosentasche greift und es sofort einem hinter ihm stehenden Komplizen weitergibt. Selbst wenn das Opfer den Diebstahl bemerkt, wird er unmöglich den gesamten Vorgang erfasst haben und vor allem nicht, wer seine Sache hat.

Relativ neu ist das „Antanzen“, mit dem vor allem Betrunkene im Bahnhofsviertel hereingelegt werden. Ein Täter tanzt um das Opfer herum, umarmt ihn überschwänglich und nimmt dabei die Wertsachen an sich, die er ebenfalls sofort an einen Mittäter weitergibt.

Der „Jacke-Jacke-Trick“ ist die Spezialität reisender nordafrikanischer Diebe, die überwiegend auf Messen „arbeiten“. Sie sind fast immer sehr elegant gekleidet und fügen sich perfekt in die Umgebung ein. Das ist übrigens die wichtigste Eigenschaft für alle Taschen- und Trickdiebe: die Fähigkeit, nicht aufzufallen und in jeder Umgebung komplett unauffällig und unsichtbar zu sein. Beim „Jacke-Jacke-Trick“ nimmt der Täter – meist in einem Café oder Restaurant – am Nachbartisch seines Opfers Platz und legt seine Jacke über die Stuhllene. Dann rückt er unauffällig an den Stuhlrücken seines Opfers heran und greift  – munter mit seinen Komplizen plaudernd – durch den Ärmel seiner Jacke und in die Jacke des Opfers. Das geschieht so geschickt, dass die Opfer nur selten die Tat bemerken.

Südamerikanische Diebe halten das Monopol auf Diebstähle am Flughafen und in Hotels.

„Mittlerweile gibt es aber eine gut vernetzte Kooperation mit den Polizeien aus anderen europäischen Ländern, die sehr gut und effizient funktioniert“, erläutert der Beamte. „Viele Diebesbanden haben regelrecht festgelegte Reiserouten durch Europa. Manchmal bekommen wir einen Anruf von Kollegen aus der Schweiz, die uns einen „Kunden“ ankündigen, der nach seinem letzten Aufenthalt in der Schweiz in Frankfurt aufgetaucht ist.“

„Unsere Arbeit besteht nicht nur aus Beschatten, Ermitteln und Festnehmen, sondern zu großen Teilen auch aus Prävention“, fährt der Beamte fort. „Oft begegnen wir bei unserer Arbeit „alten Bekannten“, die uns auch bemerken und daraufhin wissen, dass wir sie im Auge haben. Die brechen dann für diesen Tag ihre Tour ab. Das ist für uns auch ein Erfolg. Ein Problem ist nur, dass uns die anderen Leute manchmal für Randalierer halten, wenn wir in zivil einen Verdächtigen festnehmen. Die denken dann, wir wollen den zusammenschlagen. Da muss ich mit einer Hand die Handfessel anlegen und mit dem andern Ellenbogen die Handtasche abwehren, die auf mich niedersaust“, erzählt er amüsiert.

Was rät die Polizei, um nicht Opfer von Trick- und Taschendieben zu werden?

Wachsam sein, aber nicht paranoid werden. Telefon und Geldbörse in der Jackeninnentasche transportieren und nicht in der Gesäßtasche. Das Smartphone in der Kneipe nicht auf den Tisch legen. Insbesondere Verkäufern in Geschäften, denen eine Person nicht geheuer vorkommt, beispielsweise ein Mann in der Damenschuhabteilung, der verdächtige Blicke auf die Handtaschen wirft, wird empfohlen, das zu tun, was die Diebe am meisten fürchten: Sie aus ihrer Unauffälligkeit und Anonymität zu holen. Man soll sie laut und deutlich ansprechen und seine Hilfe anbieten, die meisten suchen dann sehr schnell das Weite.