Hakenkreuze im Günthersburgpark

Ich weiß nicht mehr wie lange es her ist, schon eine ganze Weile, vielleicht wars auch letztes Jahr.  Falls es schon einen Artikel zu dem Thema gibt, bitte entschuldigt.

Ich habe lange in Bornheim gelebt, der Günthersburgpark hat viel mit meiner Jugend zu tun, viel dort erlebt, gemacht usw.. Ich bin ihm verbunden.

Einmal wurde ich dort von der Polizie festgenommen (ich war nachts joggen und sie hielten mich für einen Räuber, der den Wienerwald in der Rohrbachstr. überfallen hatte. Das war das einzige Mal, an das ich mich erinnern kann, wo in Jahren etwas gewalttätiges im Park vorgefallen ist. Es gab bestimmt auch andere Situationen, aber von denen habe ich nichts gehört, empfand den Park immer als einen ruhigen, sicheren, guten Ort.

Vor einiger Zeit hat es Hakenkreuzschmierereien gegeben, unmittelbar an dem Durchgang vom unteren Teil des Parks zur Hundewiese, wo ein kleines Häuschen mit kurzer Mauer und zwei Säulen steht, in der Nähe vom Bullen.

 

Auf beiden Säulen waren in Kopfhöhe gut sichtbar, in blauer Farbe, vielleicht zwei Hände groß, zwei Hakenkreuze aufgesprüht.

Ein weiteres auf dem Weg zum Durchgang etwas größer, direkt in der Mitte.

Ich wohne nicht mehr in dem Viertel,  fahre nur ab und zu durch.

Ich erinnere mich noch, wie ich es gesehen habe, war ich zuerst verletzt, als hätte jemand auf ein Lieblingsbild von einem gespuckt, als hätte jemand vor eine Haustür geschissen. „Sie sind jetzt auch bis hierher gekommen,“ dachte ich, oder so ähnlich.

Wenn ich gewußt hätte, was passiert, hätte ich was getan, vielleicht ist es auch besser so, jetzt weiß man Bescheid, auf jeden Fall bin ich weitergefahren. Ich bin nichtmal auf den Gedanken gekommen, daß es nötig wäre etwas zu unternehmen. Das ist der Günthersburgpark, sehr beliebt, belebt. Von vielen Menschen jeden Tag besucht, die Kreuze waren so auffällig angebracht, das mußte gesehen werden, es leben viele mit fernerer Herkunft hier, haben hier viele Freunde, sehr viele Mütter sind mit ihren Kindern unterwegs, das Nordend hat zu 44% Grüne gewählt, Bornheim mit 39%, das eine Kreuz ist in der Mitte des Weges, das KANN nicht übersehen werden.

Wie gesagt, ich wohne weiter weg. Ich bin weitergefahren.

Nach anderthalb Monaten kam ich wieder zufällig vorbei und die Kreuze waren immer noch da.

Nichts passiert, es war bei gutem Wetter, zu einer warmen Jahreszeit, viele Leute unterwegs, lachend. scherzend, fröhlich. Kinder spielten auf dem Bullen,  nebenan welche Häckisäck.

Ich hatte ein  Fahrradwerkzeug dabei, bin hingegangen, an die Säulen und habe angefangen die Hakenkreuze abzukratzen. War keine schwierige Sache, der Stein ist recht locker, porös, konnte man gut mit festerem material wegschaben. Steine hättens auch getan.

Nach 20min fand ich nebenan alte dachpappe, damit ging es noch schneller. Die blaßen Spuren schmierte ich mit dem Teerpapier ab.

Das Kreuz auf dem Weg war schwieriger, ging nur mit Metall, ich mußte ab und zu Wasser, bzw. Feuchtigkeit hinzugeben um die Farbe einigermaßen zu entfernen.

Insgesamt brauchte ich vielleicht 50min.

 

Begegnungen die ich währenddessen hatte:

Eine Frau, gut angezogen, mittleren Alters: „Gut das endlich jemand etwas macht, ist schon viel zu lange hier.“

Ein älterer Herr, gediegen mit Mantel und Brille: „Sie sollten einen Orden bekommen, ich seh das schon so lange.“

Eine Frau in Sportkleidung: „ich habe mir auch schon überlegt, das mit weißer Farbe zu übermalen.

Zwei jugendliche Mädchen haben mich ausgelacht, wie ich am Boden kratzend hockte.

Zwei Paare mit Kinderwagen amüsierten sich.

 

Ein alter Mann türkischer Herkunft wollte mir etwas mitteilen, es war ok so.

 

Fast zwei Monate hat niemand etwas gemacht.

Es hat keinen von euch gestört.